Post Tour Depression

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Hallo Rocker!

Nächste Woche ist der Blue Monday – der deprimierendste Tag des Jahres. Genau genommen fällt er dieses Jahr auf den 21. Januar. Was im Jahr 2005 einfach nur eine erfolgreiche PR Aktion war – welche besagt, dass rechnerisch gesehen der dritte Montag im Januar der bedrückendste Tag des Jahres ist – hat mich dazu bewegt, ein ernstes Thema der Musikbranche zu thematisieren.

Post Tour Depression

Während man als Fan mit einem Augenzwinkern sagt, man hätte die Post Tour Depression, nachdem man einige Shows der Lieblingsband gesehen hat, ihnen nachgereist ist und nun zurück in das alltägliche Leben gelangt ist, ist es für manche Musiker ein ernstes Problem. Für viele Außenstehende wirkt das Tourleben wie das Nonplusultra Jetset-Leben mit Partyexzessen und massig Sex. Versteht mich nicht falsch, das ist es auch manchmal. Man darf nur den Aspekt nicht außer Acht lassen, dass „Musiker“ sein, auch nur ein Job ist. Ein toller Job, aber auch dieser hat seine Schattenseiten. Und mit Schattenseiten meine ich nicht, dass es an einem Abend im Backstage oder im Bus Mal keine Party gibt – das ist sogar sehr häufig der Fall. Wer als Musiker heutzutage etwas erreichen will, kann dies schlichtweg nicht immer zugedröhnt oder verkatert machen, die Achtziger sind vorbei und man muss eine gewisse Ernsthaftigkeit und Geschäftssinn an den Tag legen, um davon leben zu können. Das ist normal und das ist auch okay. Was die wirklichen Schattenseiten sind, bekommen viele gar nicht mit.

Die Strapazen einer Tour

Seien wir Mal ehrlich: Nicht jeder kann sich eine Boeing-747 wie Iron Maiden oder einen Privatjet wie einige große Rockbands leisten, um von A nach B zu kommen. Fakt ist: Die meisten Musiker fahren Bus! Und es ist einfach anstrengend, Stunde um Stunde um Stunde in einem Van zu sitzen. Wenn es gut läuft hat man einen Nightliner, in dem man sich wenigstens in die eigene (sehr kleine und sehr enge) Koje zurückziehen kann. Manchmal hat man hier nicht einmal ein Fenster zum rausschauen. Liegt man nicht gerade hinter dem eigenen Vorhang, welcher wenigstens ein bisschen Privatsphäre bietet, sitzt man in einem anderen Teil des Busses meist mit vielen Menschen rum. Und auch wenn man diese Menschen total mag, wird es nach einiger Zeit einfach anstrengend, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche aufeinander zu sitzen.

Rock’n’Roll ain’t easy

Touren bedeutet warten. Immer und überall. Man wartet an Flughäfen. Man wartet auf das Catering. Man wartet auf die bezahlten Meet & Greets der Fans. Man wartet auf den Soundcheck. Man wartet auf die Show. Man wartet auf den Bus-Call. Und das sind nur ein Paar Beispiele.

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Dazu kommt natürlich die Show. Jeder erwartet eine Top-Performance – und das jeden Abend! Als Musiker möchte man auch immer eine geile Show abliefern, das ist klar. Man hat Ambitionen, will sich selbst und die Fans nicht enttäuschen. Doch dass das sowohl psychisch, als auch körperlich viel mit einem macht, ist nicht wirklich verwunderlich.

Man sollte nie vergessen, warum man angefangen hat, Musik zu machen: FREUDE

Je nach Größe und Bekanntheit der Band, ist der Abend damit meistens nicht gelaufen. Fans erwarten die Band bereits sehnsüchtig – ob am Merchandise Stand, am Bus oder sogar vor Hotels. Sie wollen das lang ersehnte Autogramm, ein kurzes Foto oder vielleicht einfach nur mit dem Menschen plaudern, zu dem sie aufsehen. Auch Groupies gibt es noch – was diese wollen, brauche ich nicht näher erklären. Und all diese Bestätigungen zu bekommen, ist wundervoll! Man ist von Menschen umgeben, die vielleicht einige Stunden vorher noch Wort für Wort die eigenen Songs mitgesungen haben, die einen großartig finden und die Arbeit schätzen. Man fühlt sich wie der König der Welt und das ist schlichtweg herrlich!

Nach Hause kommen

Doch jede Tour ist irgendwann zu Ende. Meist trennen sich die Wege der Bandmitglieder und jeder kehrt zurück in die eigene Heimat, in die eigenen vier Wände. Und genau hier ist der Knackpunkt.

Die Körperlichen Beschwerden sind das eine… Durch die Tour hat man oftmals einen seltsamen Schlafrhythmus – man bleibt lange auf und schläft lange aus. Zurück zu Hause muss man sich erst einmal wieder umgewöhnen. Rückenschmerzen, Ohr- und Magenprobleme sind weitere Beispiele für die physischen Belastungen eines Musikers. Oftmals ist es heutzutage auch so, dass sie noch zusätzlich einen weiteren Job haben, um über die Runden zu kommen. Zeit um eine Pause zu machen und runterzufahren? Fehlanzeige. Das ist auf Dauer einfach nicht gesund.

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Doch das wirklich große Problem sind die psychischen Beschwerden, die eine Tour mit sich bringt. Für manche mag es sich komisch anfühlen, zurück nach Hause zu kommen. Vielleicht sogar in eine leere Wohnung. Man muss sich plötzlich wieder mit lächerlichen Dingen befassen, wie den Müll rauszubringen oder für sich selbst zu kochen. Niemand jubelt einem zu und niemand erwartet einen am Auto. Wenn man nicht mit dem Alleinsein klar kommt, kann man sich schnell einsam fühlen. Man kommt ins Grübeln. Während Freunde und Familie ein „normales“ Leben führen, sind Musiker dabei etwas zu erleben, was für die meisten unvorstellbar ist. Man trifft auf viel Unverständnis. Es muss auch wahnsinnig schwer sein, den Adrenalin-Kick einer Show im Alltag nicht zu vermissen. Meiner Meinung nach ist das auch einer der Hauptgründe, weshalb manche Musiker eher dazu neigen, Drogen zu konsumieren. Ich denke, dass es sich komisch anfühlen kann, wenn man mit riesigen Erwartungen und tollen Erlebnissen von einer Tour zurückkommt und sich dann aber mit angeblich profanen Dingen befassen soll. Von der großen Bühne zurück auf die Couch. Das Scheinwerferlicht ist aus und das einzige was auf einen scheint, ist der Fernseher. Und verdammt, während ich diese Zeilen schreibe kann ich mir nur vorstellen, wie anstrengend diese ständigen Höhen und Tiefen des Musikerlebens sein müssen! Das ist alles nicht einfach! Das macht etwas mit einem, es verändert! Wie es im schlimmsten Fall ausgehen kann, sehen wir leider an Fällen wie Chester Bennington (Linkin Park), Kurt Cobain (Nirvana), Chris Cornell (Soundgarden/Audioslave) oder Ian Curtis (Joy Division).

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Manchmal will man sich vielleicht auch nicht bei Freunden oder der Familie ausheulen, weil sie es niemals verstehen würden. Die meisten sehen das Leben als Musiker als eine riesige Spaßveranstaltung an, über die man nicht jammern braucht. Man könne ja schließlich froh sein, nicht auf dem Bau oder in einem langweiligen Büro arbeiten zu müssen. Ich selbst mache keine Musik und bin auch nicht auf Tour im klassischen Sinne. Dennoch hoffe ich, dass ich Euch einige Aspekte aufzeigen konnte, warum Rock’n’Roll nicht einfach ist. Rock’n’Roll ist heutzutage ein echter Knochenjob und alle um einen rum erwarten, dass man der glücklichste und sorgloseste Mensch der Welt ist. Denkt Mal darüber nach.

Der Bestfall

Es gibt sie natürlich auch… Musiker, die das alles super wegstecken. Einige sind froh, nach einer geilen Zeit auf Tour, zurück nach Hause zu kehren und die Ruhe zu genießen. Und genau das, sollte man beibehalten, wenn man es kann. Oder zumindest versuchen, an diesen Punkt zu kommen. Was gibt es schließlich schöneres, als von Menschen umgeben zu sein, die einen als MENSCH und nicht als Rockstar kennen und lieben. Die, die auch einfach Mal so schreiben, anrufen oder vorbeikommen um ein Bierchen zu trinken. Das sind die Personen, die zwar während der Karriere da sind, aber auch noch da sein werden, falls diese Mal den Bach runtergehen sollte.

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Gebt Acht aufeinander, passt auf Euch auf und SPREAD SOME LOVE. Negatives gibt es schließlich schon genug auf der Welt…

Eure Ornella.
Long live Rock’n’Roll!

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