Meine erste Titelstory – The Dead Daisies

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Hallo Rocker!

Seit zwei Jahren schreibe ich, wie einige von Euch sicher wissen, für das BREAK OUT MAGAZIN. Nun war es endlich soweit und ich hatte die Ehre, meine erste Titelstory zu schreiben. Heute habe ich das Vergnügen, sie mit Euch zu teilen! 🙂 Mein Gesprächspartner war ein alter bekannter: Doug Aldrich, Gitarrist der Dead Daisies.

Das sechste Album, unzählige Line-Ups, eine Konstante: ROCK’N’ROLL!

Wir schreiben das Jahr 2016. Es war Frühjahr und ich war auf der Musikmesse in Frankfurt unterwegs. Verabredet war ich an diesem sonnigen Tag mit Marco Mendoza, der damals als Bassist für die Dead Daisies spielte, und mit John Corabi, einem ausnahmetalent, der als Frontmann der All-Star Truppe diente. Ich interviewte sie, aß im Anschluss dazu mit den beiden zu Mittag und hatte eine verdammt gute Zeit. Man verstand sich gut und so blieb man in Kontakt, und traf sich im Sommer 2016 in Zürich wieder, um spazieren zu gehen und über Marco Mendozas Solo-Projekt zu sprechen. Während wir also ganz gemütlich an der Limmat entlang schlenderten, kam uns ein Kerl im Basketball-Outfit direkt entgegen und grinste. Es war Doug Aldrich. Marco stellte uns einander vor und so hatte ich bereits vor über fünf Jahren die Ehre, mit dem Gitarrenvirtuosen zu sprechen. Wir filmten ein Interview auf dem Dach vom Komplex 457 in Zürich, der Location, in der sie am Abend als Special-Act vor Steel Panther auftraten. 

Nun, fünf Jahre später, ist die Welt eine andere. Auf Live-Konzerte müssen wir erstmal Verzichten, Face-To-Face Interviews wurden von Telefonaten und ZOOM-Calls abgelöst. Und doch gibt es eine Sache, auf die immer Verlass ist: die Musik! The Dead Daisies veröffentlichten am 22. Januar 2021 ihr neues Album „Holy Ground” – und das hat es in sich! Ich verabredete mich mit Doug Aldrich zu einem WhatsApp-Telefonat an einem gemütlichen Abend, um mit ihm über die neue Platte zu sprechen. Er in Los Angeles, Kalifornien, ich in Heubach, Schwäbisch Gmünd. Was die Technologie nicht alles möglich macht! Die ersten beiden Sätze tauschten wir übrigens tatsächlich auf Deutsch aus – Aldrich ist bereits seit vielen Jahren mit seiner Ehefrau Daniela verheiratet, die ursprünglich aus Köln stammt. 

Hallo Doug, schön, von dir zu hören und mit dir zu sprechen! 
„Hi Ornella, freut mich auch. Wie geht es dir?” 

Mir geht es prima, danke der Nachfrage. Nun ist 2020 vorbei, doch die Corona-Pandemie hat uns immer noch fest im Griff. Es finden noch immer keine Shows statt – habt ihr euren Fans denn Live-streams oder ähnliches angeboten?
„Ich habe gesehen, dass es einige Bands gab, die das gemacht haben. Wir haben nicht dazugehört. Wir hatten einfach dieses großartige Album in der Schublade, das bereits vor so langer Zeit fertiggestellt wurde. Wir waren also bereit, um auf Tour zu gehen und die neue Platte zu veröffentlichen… Was danach kam wissen wir ja alle. Aber was wir stattdessen gemacht haben, ist Musik zu veröffentlichen. Ich denke es war April oder Mai – der Song heißt „Unspoken”. Einige Monate später teilten wir dann auch „Bustle And Flow” mit der Welt. Letztlich brachten wir auch den Titelsong „Holy Ground” raus. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die Musik nicht zu stoppen und unseren Freunden und treuen Fans ständig neues Material zu liefern. Außerdem haben wir ein paar Quarantäne-Videos gedreht. Wir haben versucht so viel zu machen, wie nur möglich.”

Du hast erwähnt, dass ihr das Album schon vor sehr langer Zeit fertiggestellt hattet. Genau genommen bereits Ende 2019. Das war also alles bevor auf der Welt das Chaos ausbrach. Lass uns doch etwas in Erinnerungen schwelgen! Wie war das damals, wie habt ihr an dem Album gearbeitet, welchen Entstehungsprozess habt ihr durchlaufen?
„Wir haben Glenn Hughes an Bord geholt. Und das war eine massive Veränderung des Line-Ups. Glenn Hughes kam dann im Juni oder Juli dazu. Wir haben uns mehrmals getroffen und mit ihm gespielt und es war wirklich hervorragend! Er ist so ein talentierter Sänger und Bassist. Also haben wir direkt im August damit begonnen, Demos aufzuzeichnen und Songs zu schreiben. Das allererste Lied, das wir geschrieben haben, heißt „Righteous Days”. Das haben wir damals veröffentlicht und im gleichen Zug auch bekannt gegeben, dass Glenn von nun an in der Band ist. Nach dem Monat haben wir dann mit der individuellen Arbeit begonnen. Ich habe darüber nachgedacht, wie Glenn singt und habe dann Musik zusammengestellt von der ich dachte, dass er sie mögen würde. David Lowy hat dann natürlich das gleiche getan und im November haben wir uns alle wieder getroffen. Diesmal allerdings in Südfrankreich! Wir nahmen das ganze in einem Studio namens „La Fabrique” auf. Das Studio war so aufgebaut, dass man innerhalb des Geländes leben konnte. Man isst dort und man zeichnet auf – man musste quasi nie das Gebäude verlassen. Es war wie ein riesiges Chateau und es war schlichtweg perfekt für uns. Vor allem in Anbetracht dessen, dass wir uns zu einer soliden Einheit
entwickeln wollten, was verständlicherweise nötig ist, wenn eine neue Person dazu kommt. Also waren wir dort und wir schrieben und spielten und nahmen auf. Wir lebten zusammen und so kam es dazu, dass der Prozess fast ausschließlich hier stattfand. Natürlich brachte Glenn einen Haufen Musik mit, genauso wie ich auch. Jeder hat seinen Teil eingebracht und an verschiedenen Teilen gearbeitet. Am Ende haben wir allerdings alle Ideen und Vorschläge unter die Lupe genommen und haben dann gemeinsam daran im Studio gearbeitet. Alle haben auch ihre Gefühle eingebracht und eingearbeitet, sodass sich jeder von uns mit den Liedern gut und wohl gefühlt hat. Im Dezember haben wir dann angefangen, es final aufzunehmen und es war tatsächlich so, dass wir auch im gleichen Monat damit fertig geworden sind. Danach waren es nur noch ein paar Kleinigkeiten in den Vocals, oder im Gitarrensolo, die man hier und da noch verändert hat. Das haben wir dann aber zuhause in Los Angeles noch finalisiert  – das war bereits Anfang 2020. Es hat so gut und vor allem so schnell funktioniert! Es war unfassbar produktiv, weil wir im Studio gelebt haben. Man hatte kein Auto oder weitere Ablenkungen. Wir waren in Südfrankreich! Natürlich haben wir in Frankreich auch Freunde, aber wir waren wirklich in einem sehr, sehr kleinen Ort, an dem wir keinen kannten. Wir hatten also nichts zu tun, nirgendwo hinzugehen… Alles was wir dort tun konnten, war arbeiten.”

Man hört es ja auch nicht mehr ganz so oft, dass eine Band sich gemeinsam in einem Haus einmietet, zurückzieht und Musik macht. Das klingt für mich ganz schön nach back to the roots. 
„Absolut, das ist es! Und weißt du, es so durchzuziehen ist einfach das lustigste, produktivste und beste, was man sich nur vorstellen kann. Stelle es dir einfach mal vor… Selbstverständlich kann ich einfach eine Idee haben und verfassen, auf meinem Computer speichern und verschicken. Dann könnte die andere Person darauf singen oder spielen oder was auch immer damit machen. Aber es ist so viel produktiver, das zusammen durchzuziehen, wenn man zur gleichen Zeit am gleichen Ort ist.” 

Umso mehr natürlich auch noch mit einem neuen Line-Up. Wie kam es eigentlich dazu, dass Marco Mendoza und John Corabi beschlossen haben, die Band zu verlassen?
„Ja, vor allem dann. Naja, was sich viele nicht vorstellen können ist, dass The Dead Daisies verdammt viel und verdammt hart arbeiten. Seit ich in die Band kam, das war in etwa Anfang 2016, haben wir keine Pause gemacht. Wir sind seitdem am touren, touren, touren. Wenn wir nicht touren, produzieren wir neue Musik. Klar gab es auch ein paar Pausen, an denen wir dann zuhause bei unseren Familien und Freunden waren, aber wir arbeiten sehr viel. Wenn ich da an John Corabi denke, diesem wahnsinnig tollen Sänger… Ich denke, dass er einfach eine Pause gebraucht hat. Er ist ein herausragender Frontmann, die Menschen lieben ihn. Du hast uns ja auch schon mit ihm spielen hören…”

Ja – John Corabi bringt eine gewisse Aura und Magie auf die Bühne. Es ist unglaublich.
„Genau so ist es. Und dazu ist er noch ein unfassbar lustiger Mensch, mit einem tollen Humor. Ich glaube, dass er einfach eine Pause gebraucht und den Fokus auch verstärkt auf seine eigenen Unternehmungen legen wollte. Er hat ein Akustik-Projekt, in dem er viele seiner alten Songs spielt. Hier reicht das Spektrum auch wirklich weit: Man bekommt etwas von seiner Zeit bei Mötley Crüe auf die Ohren, natürlich auch von den Dead Daisies, ältere Songs…”

Ich stehe total auf seine Aerosmith-Performances. Die sind wirklich klasse! 
„Aerosmith spielt er auch oft, stimmt. Genauso toll sind auch seine Interpretationen von den Liedern der Beatles. Er liebt das. Also wollte er einfach eine Pause, um sich auch wieder diesen Dingen widmen zu können. Zur gleichen Zeit gab es dann noch Marco und er war wirklich nie zuhause. Er war ununterbrochen auf Tour! Wenn nicht mit uns von den Dead Daisies, war er mit seinem Solo-Projekt unterwegs. Ich glaube, dass Marco wirklich enthusiastisch darüber war, sich voll und ganz darauf einzulassen und im Endeffekt war es genau das, was Glenn die Tür geöffnet hat. Es ist wirklich eine krasse Veränderung. Klar ist es auch ein frischer, neuer Anfang. Und das bedeutet nicht, dass wir vielleicht eines Tages nicht auch alle zusammen mal wieder etwas starten können. Aber momentan sind wir sehr fokussiert auf die Veränderungen die wir durchlaufen haben und können es kaum erwarten, dass die Menschen da draußen es auch zu hören bekommen.”

Deen Castronovo, euer Schlagzeuger, hat hingegen erst kürzlich bekannt gegeben, dass er The Dead Daisies verlassen hat. Tommy Clufetos, der unter anderem bereits mit Black Sabbath, Ozzy Osbourne, Alice Cooper, Ted Nugent und Rob Zombie arbeitete, nimmt seinen Platz ein. Was ist da passiert? 
„Ich glaube, dass man Deen selbst fragen müsste. Soweit ich weiß, muss er einige medizinische Behandlungen an seinem Rücken über sich ergehen lassen. Es wurde immer schwieriger und anstrengender für ihn zu spielen. Ich liebe Deen, er ist mein Bro und ich wünsche ihm nur das Beste.” 

Das glaube ich dir sofort – er hat auch in etwa vier Jahre mit Euch gespielt… Wie hart ist es für euch ihn gehen lassen zu müssen und wo siehst du die Herausforderungen, sich einem neuen Bandmitglied anzupassen?
„Wir sind auf jeden Fall super aufgeregt und freuen uns, dass Tommy an Bord kommt. Er ist einfach unfassbar gut, ein phänomenaler Schlagzeuger. Wir sind glücklich und dankbar. Deen ist ein großartiger Musiker und Tommy ist das auch. Es hat sich eine Tür geschlossen, aber eine andere geöffnet.” 

Es ist auch schön zu sehen, dass ihr bei den Dead Daisies immer namhafte Kollegen im Line-Up habt. Man ist als Fan gespannt, was als nächstes kommt. Doch wird Tommy Clufetos von nun an konstant in Eurer Besetzung sein, oder ist er nur für die kommende Tour eingeplant?
„Erstmal ist er nur für die Tour eingeplant. Aber wenn er Zeit und Lust darauf hat, sind unsere Arme offen: wir würden uns tierisch freuen, ihn willkommen zu heißen. Wir werden weiterhin neue Musik schreiben und an neuem Material arbeiten, das hört nie auf. Genaugenommen haben wir das auch jetzt, während der Pandemie bereits gemacht. Glenn und ich haben an neuen Stücken gearbeitet und wir wollen mit dem derzeitigen Line-Up weitermachen und nicht stehen bleiben. Wenn Tommy also interessiert ist, wäre es wirklich perfekt, ihn in unserem schönen Projekt zu involvieren.”

Wow – gerade ein Album draußen und schon wird am nächsten gearbeitet. Ihr seid ein fleißiger Haufen!
„Ganz genau. Wir haben schon damit begonnen. Du kannst es Dir ja vorstellen… Wir hatten nicht wirklich was zu tun, es war nichts los. Das arbeiten an neuen Stücken hilft uns dabei, den Kopf ein bisschen von dieser wütenden Pandemie loszubekommen. Wir waren allein schon der Tatsache wegen aufgeregt, uns Mal wieder zu sehen. Glenn und ich wohnen beide in Los Angeles. Wir haben uns auf einige interessante Aspekte fokussiert und haben unter anderem auch viel Content für die Social Media Kanäle der Dead Daisies gemacht. Letztlich waren wir dann auch mit der Promotion von „Holy Ground” beschäftigt und es war einfach gut.”

Wahnsinn! Doch zurück zum Line-Up, persönlich muss ich gestehen, dass die Dead Daisies für mich schon immer wie ein spannendes Kunstprojekt gewirkt haben, was es so heutzutage sonst nur selten gibt. Herausragende Musiker, mit wahnsinnig spannenden Vergangenheiten, die zusammen geile Musik machen. Viele würden sagen, dass es furchtbar ist, dass das Line-Up so oft wechselt. Was glaubst Du, ist denn vielleicht sogar der große Vorteil daran?
„Meiner Meinung nach hält es das ganze frisch. Was man natürlich zugeben muss, ist dass man mit Veränderungen im Line-Up auch oft die Gefahr läuft, den Sound zu verändern. Doch bei uns ist das anderes: Der zentrale Punkt, der uns hilft, den Dead Daisies Sound zu behalten, ist David Lowy mit seinen Gitarrenkünsten. John Corabi hat ihm den Spitznamen „The Thunder From Down Under” gegeben – Down Under übrigens weil David aus Australien kommt. Und es ist so wahnsinnig passend! Sein Gitarrenspiel ist wirklich wie ein Donner! Er spielt sehr simpel, ehrlich und authentisch. Jedes mal, wenn er eine Saite berührt, klingt es wie Donner. Als wir gemeinsam im Studio waren, und David noch nicht anwesend war, hat es nie wie die Dead Daisies geklungen. Erst als er sein Instrument einsetzte und spielte, entwickelte sich der Sound. Davor klang es natürlich auch nicht schlecht, aber die Dead Daisies waren es erst, wenn Lowy sich einbrachte.”

David ist also der zentrale Punkt des Sounds. Gibt es beim neuen Album einen roten Faden, den ihr verfolgt habt?
„Ja, auch wenn ich denke, dass dir diese Antwort Glenn Hughes aufgrund seiner Songtexte besser beantworten könnte. Es ist sehr spirituell und beinhaltet viele Themen wie das Loslassen und Heilen. Es ist unglaublich, dass es teilweise auch wirklich wie eine Voraussage davon war, was uns 2020 erwartete. Natürlich wusste das zu dem Zeitpunkt keiner, aber man kann sehr viel auf die heutige Situation übertragen. Das schöne an Glenns Liedtexten ist, dass er sehr viel Raum für Interpretation lässt. Man könnte beispielsweise „Holy Ground” als die Erde sehen, auf der wir leben und um die wir uns kümmern müssen, oder auch dass diese Zeit des eigenen Lebens der „Holy Ground” ist und man genau weiß, dass sie niemals wiederkommen wird. Das liebe ich an seinen Texten so. Man hört es sich an und denkt sich seinen eigenen Teil, der am besten zu einem selbst und der eigenen, individuellen Situation passt.”

Hast du die Erfahrung gemacht, dass es bei manchen vielleicht auch Mal nicht so gut ankommt, dass ihr vergleichsweise häufig das Line-Up wechselt?
„Die meisten sehen es wirklich positiv. Es gibt natürlich einige, die uns auch darauf ansprechen und es vielleicht nicht so toll finden, die dann sagen es sei nicht die gleiche Band und es sei einfach nicht ihr Ding – und ich verstehe das, es ist völlig in Ordnung und ich akzeptiere es. Aber als wir beispielsweise „Unspoken” veröffentlichten kamen Freunde von mir und John Corabi auf uns zu… Und haben gesagt, dass sie wirklich John und seine Stimme liebten und dass sie es versucht hätten, die neue Veröffentlichung zu hassen, es aber schlichtweg nicht konnten, weil es zu gut war. Wenn die Menschen der Sache eine Chance geben bin ich davon überzeugt, dass es ihnen gefällt. Klar ist es ein neuer Sound. Es ist ein brandneuer Start, das ist das was wir haben und es ist logisch, dass man neu klingt, wenn man den Sänger wechselt.”

Lass uns noch weiter über das neue Album sprechen. Ich habe gesehen, dass es einen Song namens “Far Away” auf der Platte gibt. Könntest Du mir die Story hinter diesen Lyrics verraten? 
„Ich muss gestehen, dass es vermutlich eine sehr persönliche Geschichte für Glenn ist. Aber ich würde gerne meine Gedanken und meine Interpretation von dem Lied teilen. Manchmal sind Dinge verdammt weit weg und manchmal muss man es einfach akzeptieren und versuchen, nicht traurig darüber zu sein. Manchmal muss man loslassen. Weshalb mir diese Gedanken kommen, wenn ich den Song höre ist, dass es so schön und zart beginnt, fast schon ein bisschen traurig. Doch am Ende, wenn ich mit allem Frieden geschlossen habe und losgelassen habe, kann ich wild werden, verrückte Dinge tun und das Chaos und Freakige am Ende genießen. Danach fühle ich mich großartig. Das ist meine persönliche Interpretation davon.”

Wenn du heute Abend die Chance hättest, drei Lieder von „Holy Ground” live zu spielen, welche wären es?
„Definitiv „Holy Ground” – der Song rockt. Außerdem “Like No Other” und “Far Away”. Vor allem letzteres kann ich kaum erwarten, das wird großartig auf der Bühne! Es hat so viele Facetten und genau das macht im Endeffekt auch so Spaß!”

Stelle dir das perfekte Set-Up vor, um „Holy Ground” zu hören – wie sieht es aus?
„Die wichtigste Art ist für mich immer noch im Auto. Und dann eventuell noch zuhause über eine tolle Sound-Anlage. Im Bestfall natürlich die Vinyl Version der Platte. Das wäre ein tolles Erlebnis.”

Beschreibe das Album in drei Worten.
„Tiefgehend. Heavy. Groovy.”

Das klingt vielversprechend. (grinst)
„Das löst es in mir aus. (grinst) Im Endeffekt hat es auf jeden eine andere Wirkung, aber so empfinde ich es.”

Manche sind der Meinung, dass es die Rockmusik nicht mehr wirklich gibt, dass sie tot sei. Ich sage, dass die Dead Daisies mit „Holy Ground” das Gegenteil bewiesen haben. Was würdest du den Zweiflern gerne zu dem Thema sagen?
„Also bitte! Es gibt definitiv so viele tolle, junge und neue Bands. Sie lieben diese Art von Musik und spielen sie dementsprechend auch. Es gibt einfach nichts Vergleichbares auf der Welt. Man braucht es einfach. Ich kann es mir noch nicht einmal ansatzweise vorstellen, wie es passieren könnte, dass die Rockmusik eines Tages ausstirbt. Was sollte auch den Platz einnehmen können? Ich kann es mir nicht vorstellen. Okay, ich gebe zu, manchmal höre ich etwas Hip Hop, um Spaß zu haben. Ich bin keiner Musikrichtung wirklich abgeneigt. Aber es gibt einfach nichts auf dieser Welt, was mir das gleiche Gefühl gibt, wie Rockmusik. Ich kann es mir also wirklich nicht vorstellen, wie es einfach weggehen und sterben sollte.”

Das kann und will ich mir auch nicht vorstellen. Welche jungen beziehungsweise neuen Bands hörst Du denn gerne? Könntest Du mir ein paar Nennen?
„Natürlich – davon gibt es einige! Dirty Honey machen coole Sachen, sie sind aus Los Angeles. Dann Greta Van Fleet – sie haben etwas ganz besonderes und großartiges erschaffen. Sie bringen Led Zeppelin und Queen zurück. Tyler Bryant & The Shakedown sind auch super. Jared James Nichols ist der Hammer – ein toller Gitarrist. Oder Monstertruck zum Beispiel. Es gibt viele Bands, die auch gerade zu der jetzigen Zeit versuchen durchzukommen und alles aufzubauen und bereit zu stehen, wenn wir endlich wieder mit voller Power zurückkommen können.”

Viele vielversprechende Musiker – kannst du dich noch daran erinnern, was dich damals an der Rockmusik so verzaubert hat, oder was dich zu ihr geführt hat?
„Ja! Es fing alles tatsächlich einfach im Radio an. Es gab damals einen Rock-Radiosender, der alles mögliche spielte. Von Black Sabbath, über The Allman Brothers Band, Jimi Hendrix, The Eagles… Es gab viele verschiedene und aufregende Sachen zu hören. Außerdem noch ein paar sanftere Sachen aus den sechzigern und siebzigern wie die Beatles. Aber ich habe die schwere und tiefe von Led Zeppelin und Black Sabbath gemocht. Außerdem gab es noch einen Gitarristen, der mich schon immer schwer beeindruckt hat. Meine Schwester hatte ein Album von ihm – es war Jeff Beck. Sie hatte keine Sabbath oder Zeppelin Alben, aber sie hatte dafür Peter Frampton, Jeff Beck und Steve Wonder. Aber Becks Gitarrenspiel hat mich damals schon wirklich umgehauen. Ich war sofort hin und weg, ich liebte es. Es gibt nur wenig von seiner Spielweise, die man in meinem Gitarrenspiel heute wiederfinden würde, aber ich finde ihn großartig. Als ich ein Kind war, noch bevor ich ein Instrument beherrscht habe, gab es eine Gruppe anderer Kinder, zu der ich unbedingt gehören wollte. Es war wie eine kleine Gang und sie waren älter. Sie meinten dann eines Tages, dass ich bei ihnen einsteigen könnte, allerdings hatten sie eine Bedingung. Ich sollte losgehen und die Single von Black Sabbath namens „Iron Man” besorgen – wenn ich das schaffte, war ich drin. Meine Mama und ich zogen los, wir kauften die Single und ich hatte das Privileg, mit den Jungs abzuhängen. Es war eine lustige Zeit. Später habe ich dann angefangen, Gitarre zu spielen. Und dann war die Rockmusik überall.”

Weißt du noch, welcher der erste Song war, den du spielen konntest?
„Naja, ich habe mich anfangs an ein paar Akkorden versucht und habe quasi Songs erfunden. Ich habe erstmal einfach drauf losgespielt und habe geschaut, was sich gut anhörte. Aber der erste richtige Song, den ich spielen konnte, war „Smoke On The Water”.”

Ein guter alter Klassiker. So fing es an, der Rest ist inzwischen Geschichte… Wie schreibst du denn heutzutage die Gitarrenparts, vor allem jetzt auch mit dem Fokus auf eurem neuen Album?
„Ja, es war nur ich und noch zig millionen weiterer Menschen, die den Song spielen wollten. (lacht) Heutzutage läuft es so, dass entweder Glenn oder ich einen Teil schreiben und eine Idee einbringen. Und dann versuchen wir es anzupassen. Ich versuche meine Persönlichkeit und meinen Stil reinzubringen. Ich überlege, welche Optionen und Möglichkeiten es gibt, einen bestimmten Part zu spielen. Wenn Glenn beispielsweise einen Song im Kopf hat, den er in die Band bringt, versuche ich dann zuerst das Stück ordentlich zu beherrschen und zwar genau so, wie er es sich gedacht hat. Erst danach passe ich Dinge an, um der Sache meinen Stempel aufzudrücken. Das muss jeder so machen, aber man muss zuerst die Basics lernen, danach macht das Experimentieren dann noch mehr Spaß.”

Was würdest du sagen ist der schwierigste Teil beim Songs- und Gitarrenparts schreiben für dich?
„Ach es ist nicht wirklich schwierig, es macht total Spaß! Es ist wie ein vierdimensionales Puzzle an dem man arbeitet. Vielleicht hat man eine Idee, aber dann versucht man es weiter und verändert Dinge bis man herausfindet, was sich für einen selbst am besten anfühlt. Verschiedene Akkorde, Rhytmen,… Man verändert oft Dinge bis man den richtigen Weg findet, das Puzzle zusammenzusetzen.” 

Schreibst Du klassisch an einer Akustikgitarre oder direkt an der E-Gitarre?
„Üblicherweise schreibe ich auf der Akustikgitarre, Glenn handhabt es genauso. Ich glaube nur David schreibt direkt auf der E-Gitarre. Als ich bei Whitesnake gespielt habe, habe ich gelernt, dass es einfacher ist, auf der Akustikgitarre zu schreiben. Man steckt sich damit nicht selbst in eine Schublade, man lässt sich mehr Freiraum und konzentriert sich auf das was wirklich zählt: Akkorde und Melodien. Als ich damals David Coverdale meine Vorschläge vorgespielt habe und er sie gut fand, hat er sie dann genommen und noch ein bisschen cooler gemacht. Ich spiele die Dinge am Anfang sehr sauber und einfach, dann kommen aber Sänger hinzu wie Glenn oder David und machen das ganze sexy und cool.”

Und im besten Fall werden sie zu Meisterwerken.
„Man hofft es. Wenn man Glück hat, schafft man das im Leben ein- oder zweimal. Das einzige was man als Musiker machen kann ist einfach weitermachen, Songs schreiben und das so zu tun, dass es sich für einen selbst gut anfühlt. Dann hofft man, dass es das gleiche bei anderen Menschen auslöst und sie auch glücklich macht und gut fühlen lässt. Wenn dabei ein Meisterwerk entsteht ist es perfekt.” 

Wenn Du die Wahl gehabt hättest, ein Meisterwerk zu verfassen, welcher wäre es und wieso?
Wow, das ist eine sehr schwierige Frage. Es gibt so viele tolle Songs! Ich hätte es geliebt, einen Beatles Song zu schreiben, oder etwas von Led Zeppelin. Wenn du mich wirklich festnageln willst, dann wäre es „Kashmir” von Led Zeppelin – es ist so einzigartig und wunderschön und episch. Das ist zwar nicht mein Lieblingslied von Zeppelin, aber es hat wirklich alles. Okay und „Every Breath You Take” von The Police – diesen Track liebe ich einfach.”

Vielen Dank für Deine Zeit Doug – die letzten Worte gehören dir…
„Ein großes Dankeschön geht an dich und alle Mitarbeiter des Break Out Magazines. Vielen Dank für die Unterstützung, wir lieben Euch! An die Fans da draußen… wir können es kaum erwarten, euch dort draußen zu sehen. Wir werden in Deutschland und Europa sein, wir müssen nur die Welt darauf vorbereiten und dann klappt das! Wir hätten uns niemals vorstellen können, während unseres Lebens so eine schwere Zeit wie die der Pandemie zu durchleben. Und das Leben ist für manche wirklich hart. Wir haben aber die Musik, die uns durchbringt. Die Menschen sollten positiv bleiben, wir kommen da schon durch und die Normalität wird zurückkehren. Wir werden die Rockszene wieder aufbauen, wir brauchen das! Es ist essentiell und wir wollen auch wieder die Clubs unterstützen, die wiederum ihrerseits die lokalen Bands und Musiker unterstützen. Es wird schwer werden und es wird viel Zeit brauchen, aber wir werden wieder dorthin zurückkommen!” 

Eure Ornella.
Long live Rockn’n’Roll!

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