Jeff Scott Soto Interview & Review

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Hallo Rocker!

Heute habe ich ein Interview mit Jeff Scott Soto (Axel Rudi Pell, Journey, Yngwie Malmsteen, W.E.T.) im Gepäck – erschienen ist das ganze auch im Break Out Magazin. Jeff kann Live Streams nicht ausstehen und erklärt uns auch wieso. Außerdem plauderten wir noch über seine neusten Veröffentlichungen und er hat noch ein paar letzte schöne Worte für uns. 🙂

Jeff Scott Soto – Der Mann, der Live Streams hasst

Wenn wir ehrlich sind, wer mag sie schon so wirklich? Live Streams sind der Tod einer jeden Rock-Show. Man kann es einfach nicht vergleichen. Man steht nicht mit Gleichgesinnten in der Menge, tanzt und rockt zu den Lieblingsliedern ab, trinkt Bier, welches man sich mühsam an der Bar am anderen Ende der Halle geholt und man sich anschließend an der schwitzenden Menge vorbei gedrängt hat.

Live Streams sind scheiße, aber zurzeit auch die einzige Möglichkeit, die geliebten Rockstars performen hören zu können. “Ich habe ein paar Live Streams gemacht. Ich hasse sie! Da ist einfach keine Verbindung zu den Menschen. Ich blühe auf der Bühne auf, vor allem wenn man das Publikum spürt, daran arbeitet, sie in die eigene Welt hereinzulassen und selbst ein Teil von der ihren wird. Bei einem Live Stream schauen Dir die Menschen zu, ja… Und Du weißt das auch. Dennoch kannst Du sie nicht sehen, spüren oder hören. Wenn die einzigen Menschen, für die Du auftrittst diejenigen sind, die Deine Performance aufnehmen, hat das rein gar nichts von einer Live Show. Es ist, als würde man ein Musikvideo aufnehmen.”, erzählt Jeff Scott Soto umfassend.

Würde es denn etwas geben, was man an den Regeln für Live-Shows ändern sollte? “Nein, da gibt es nichts. Ich persönlich möchte weder unter Vorschriften noch strikten Regeln auftreten! Man geht zu Shows und Konzerte, um dem Alltag wenigstens für ein paar Stunden zu entkommen. Wenn man dann zu einer Show geht und man sich an unzählige Regeln und Vorschriften halten muss, erinnert einen das doch direkt an das, wovon man eine Weile weg wollte. Ich brauche die Menschen, ich brauche die Hände in der Luft, ich brauche es, mit Menschen zu singen zu lachen und sie jubeln zu hören. Das bekomme ich nicht, wenn eine Veranstaltungsstätte nur zu 50 Prozent belegt ist, oder es sich um eine Drive-In-Show handelt.”, so Jeff weiter.

Und doch hat diese schwierige Zeit auch etwas Gutes: “Ich habe in den letzten zehn Monaten so viel mehr Studioarbeit angenommen und gemacht wie jemals zuvor. Es war eine Menge Kreativität und Musik im Spiel, was großartig war! Dennoch ist es wirklich total schade, dass sich die gesamte Situation auf meine und auf die Tour-Situation aller Musiker auswirkt.”. Aber es ist Jeff Scott Sotos siebtes Studioalbum entstanden, welches am sechsten November 2020 veröffentlicht wird. Wie kann man sich den Entstehungsprozess hiervon vorstellen? “Es war mit das erste Mal, dass ich meinem Produzenten Alessandro Del Vecchio das Zepter für die musikalische Gestaltung des Albums übergab. Er hat sich komplett der Musik gewidmet, sodass ich mich voll und ganz auf das texten der Song-Lyrics fokussieren konnte. Alessandro war auch dafür zuständig, alle Aufnahmen rechtzeitig zu erhalten und das Album zu mixen. Wirklich, es ist sein Verdienst, dass “Wide Awake (In My Dreamland)” so geworden ist, wie es jetzt ist. Er hat so viel Arbeit und Aufmerksamkeit in diese Platte gesteckt und ich könnte mit dem Outcome nicht glücklicher sein. Ich habe währenddessen den Gesang in meinem eigenen Heimstudio in Los Angeles aufgenommen – Ale hat den Rest in seinem Studio in Italien aufgearbeitet und mein Schlagzeuger Edu hat seinen Part in Brasilien aufgenommen. Eine internationale Angelegenheit!”, grinst Soto. 

Darüber hinaus findet man nicht nur elf neue Tracks, sondern noch eine zweite CD, welche einige Live-Aufnahmen vom letzten Jahr beinhaltet, wie kam es dazu? “Das war eine Entscheidung von Frontiers Records, es sollte schon von Anfang an veröffentlicht werden. Aber ich war etwas besorgt, denn ich hatte nur fünfzig Minuten Zeit für das Set und es hat sich für mich nicht richtig angefühlt, meinen Fans eine CD mit so kurzer Spielzeit zu verkaufen, zumal nach einigen Stolpersteinen die endgültige Zeit sogar nur zweiundvierzig Minuten betrug. Ich bat also Frontiers, die Platte nicht als Standalone zu veröffentlichen. Im Anschluss hatten sie die schöne Idee, es zum einen digital zu veröffentlichen und es zum anderen noch als Bonus zum neuen Album mitzugeben – für die Menschen, die physische CDs noch lieben und am leben erhalten.”, lächelt Jeff. 

Persönlich mag ich vor allem den Song “Without You” – welche Geschichte verbirgt sich dahinter? “Ich schreibe meine Songtexte immer mit einer gewissen Zweideutigkeit. Wenn Du den Titel dieses Liedes liest, denkst Du an etwas komplett anderes, als es im Endeffekt ist. Es klingt wie eine Nachricht oder Bitte an jemanden, ohne den man nicht Leben kann. Allerdings handelt der Song von unserer Gesellschaft und das “Without You” steht für das ohne uns als Menschheit, das ohne uns wie wir eigentlich sein sollten und das ohne uns, wie ich mir wünschte das wir wären. So kann ich es nicht überleben. Das Video hebt den Song noch auf ein anderes Level, denn es geht um psychische Gesundheit und Selbstmord. Genau genommen kann man den Song also sogar auf drei verschiedene Arten verstehen.”, erläutert uns der Frontmann.

Darüber hinaus wird am 22. Januar auch noch ein Album mit W.E.T. veröffentlicht – wie kam die Band zusammen? Jeff erklärt, dass das eine Entstehung von Frontiers’ Serafino gewesen sei. Er habe sie zusammengebracht und den Stil definiert und er nehme ihnen auch jeweils die Songs ab. Es sei unterm Strich seine Band.

Als ich Jeff noch um seine letzten Worte bitte, wird er sentimental: “Danke dafür, dass ich in der Musikwelt existieren darf. Einer Welt, die so viel Wettbewerb beinhaltet. Ich fühle mich geehrt, demütig und gesegnet, dass ich mit diesem Job meine Brötchen verdienen kann, weil es so viele Fans auf der ganzen Welt gibt, die mir dieses Privileg ermöglichen.

Review W.E.T. – „Retransmission”

Dieses Jahr gibt es nach einer dreijährigen Pause Mal wieder Neues Material von der Melodic-Rock-Supergroup W.E.T. auf die Ohren! Die Band besteht aus Robert Säll „Work Of Art”, Erik Mårtensson „Eclipse” und Jeff Scott Soto „Talisman” – für alle Hobby-Agenten da draußen: JA, die Band-Initialen haben zum neuen Bandnamen inspiriert.

Am 22. Januar wurde dann das neue Album der Truppe unter dem Namen „Retransmission” veröffentlicht und kommt bei den Fans sehr gut an. Bereits gegen Ende 2020 wurde die erste Single „Big Boys Don’t Cry” veröffentlicht, welches direkt mit einem geilen Riff am Anfang begeistert. Gerne höre ich auch „The Call Of The Wild” und „One Final Kiss”. Für mich als Balladen-Fan, habe ich mich aber gleichzeitig natürlich auch sehr über „Got To Be About Love”  und „What Are You Waiting For” gefreut. Schön, leicht und nicht zu kitschig. „How Far To Babylon” groovt sehr schön und hat eine gewisse Power, was den Song zum perfekten Trainings-Sound macht – so energiegeladen und kraftvoll macht das Joggen spaß! Mein Favorit der Platte ist jedoch „Coming Home” – einfach ein sehr guter Sound und Lyrics, die eine schöne Geschichte erzählen, die wohl jeder Musiker auf Tour nachvollziehen kann. Abschließend kann man sagen, dass W.E.T. mit „Retransmission” ein Album veröffentlicht haben, das für gute Laune sorgt und Spaß macht. Trotz des wirklich gut produzierten Album und den guten Songs, will bei mir jedoch der Funke nicht komplett überspringen. Manchmal wirken die Lieder an sich nicht ganz rund. Wenn man W.E.T. hört, hört man Qualität und herausragende Musiker.

Was mir persönlich etwas fehlt – und damit liege ich eventuell auch komplett falsch – ist das Zusammenspiel und die Zugehörigkeit der Männer untereinander, was sich auch verstärkt in den Songs widerspiegeln würde. Aber vielleicht ist es auch nur meine romantische Vorstellung von Rock’n’Roll, die mir hier etwas den Blick trübt.

Review Jeff Scott Soto – „Wide Awake (In My Dreamland)”

Mit Jeff Scott Sotos siebten Studioalbum bekommt man zwei zum Preis von einem! Sage und schreibe zweiundzwanzig Tracks erwarten die Hörer von “Wide Awake (In My Dreamland)”. Doch kommen wir zuerst einmal zur ersten und wirklich nigelnagelneuen CD. Die musikalische Oberhand hatte diesmal nicht Jeff, denn er übergab das Zepter dafür seinem Produzenten Alessandro Del Vecchio, um sich selbst voll und ganz auf die Lyrics fokussieren zu können. Thematisch ist das Album breit gefächert und tiefgründig. Es behandelt Themen wie Politik, Religion, Geteiltheit und mehr – im Prinzip alles, was die letzten Jahre weltweit, aber vor allem auch in Jeffs Heimat (den Vereinigten Staaten von Amerika) vor sich ging und für enorme Probleme sorgte.   

Den Start macht “Someone To Love”, gefolgt von “Mystified” und “Love’s Blind”, welche als klassische JSS-Knaller durchgehen. Handgemachter Hard Rock mit dezenten AOR-Einflüssen. Ruhiger geht es mit “Without You” weiter. Die Lyrics hierzu lassen Raum für mehrere Interpretationen und ist nicht die klassische Liebesballade, für die man den Song gegebenenfalls direkt halten würde. Entspannt geht es auch mit “Lesson Of Love” weiter, bevor “Paper Wings” die Hard-Rock Herzen wieder höher schlagen lässt – Jeff Scott Sotos melodischer Gesang ist hier der spannendste Punkt. Eine großartige Ballade findet man mit “Between The Lines” auf Platz acht der Platte. Namensgebender Song “Wide Awake (In My Dreamland)” schließt das Album ab und regt zum nachdenken an.

Der zweite Teil des Albums – und somit die zweite CD – besteht aus einer Live-Aufnahme von letztem Jahr auf dem Frontiers Rock Festival. Gerade zu Zeiten der Corona-Pandemie, wenn man sich nichts sehnlicher wünscht, als Mal wieder eine Live-Show besuchen zu können und die liebsten Musiker auf der Bühne erleben zu dürfen, ist das ein kleiner Trost. Rock’n’Roll der Spaß macht und an bessere Zeiten erinnert!

Eure Ornella.
Long live Rock’n’Roll!

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